Zwei Angebote für denselben Container von Ningbo nach Gdańsk können mehr als 1.000 USD auseinanderliegen, obwohl unter beiden „ALL-IN“ steht. Meist sind beide korrekt, sie decken nur unterschiedlich lange Strecken ab. Das eine endet im Hafen. Das andere enthält zusätzlich Terminalgebühren, Zollabfertigung und die Zustellung bis zum Lager, und das kostet beim Vollcontainer ca. 700–1.500 USD (Richtwerte, Stand: September 2026).
In diesem Beitrag zerlegen wir ein Seefracht-Angebot in seine Positionen, so wie wir es in den Angeboten von Union Cargo machen. Sie sehen, was im Preis enthalten sein sollte, was meist fehlt und wie Sie Angebote mehrerer Spediteure vergleichen. Allgemeines zur Leistung finden Sie auf der Seite Seefracht FCL und LCL.
Was ALL-IN in einem Frachtangebot bedeutet
ALL-IN ist die Summe der Transportkosten im vereinbarten Umfang: vom Abholort bis zum Lieferort. Der Begriff stammt weder aus den Incoterms noch aus einem Gesetz, deshalb entscheidet jeder Spediteur selbst, was er hineinrechnet. Das Wort allein sagt wenig. Was zählt, ist die Liste der Positionen dahinter.
Bevor Sie Beträge vergleichen, prüfen Sie in jedem Angebot drei Dinge:
- von wo bis wo gerechnet wird: ab Fabrik oder ab Hafen in China, bis zum Hafen Gdańsk oder bis zu Ihrem Lager,
- welche Incoterms-Klausel zugrunde liegt (EXW, FOB, CIF, DAP), also welche Kosten der Lieferant übernimmt,
- was das Angebot ausdrücklich ausschließt.
Zoll und Einfuhrumsatzsteuer bleiben in fast jedem Angebot außerhalb von ALL-IN. Das sind Abgaben an den Staat und keine Transportkosten, Sie zahlen sie nach den Sätzen für Ihre Ware. Wie hoch sie ausfallen, hängt aber auch von den Transportkosten ab – dazu weiter unten mehr.
So sieht ein ALL-IN-Angebot von Union Cargo aus
Jedes Angebot schlüsseln wir in Positionen mit Beträgen in USD auf, am Ende stehen die Summe und die Transitzeit. So sieht der Aufbau für eine Beispielsendung Sammelgut aus, gekauft zu EXW:
Seetransport
EXW Shenzhen / 4 CBM / 850 kg
– Seefracht: Hafen Shenzhen – Hafen Gdańsk
– EXW-Kosten in China: Abholung beim Lieferanten, Ausfuhrabfertigung
– Hafengebühren THC
– Versandschein T1
– Zollabfertigung
– Versicherung CARGO ALL-RISK
– Straßentransport bis zur Tür
Summe ALL-IN: … USD
Transitzeit: ca. … Tage Terminal–Terminal
Mit diesem Aufbau können Sie jedes andere Angebot Zeile für Zeile mit unserem vergleichen. Fehlt dort eine Position, fragen Sie nach, ob sie an anderer Stelle enthalten ist oder schlicht fehlt.
Die Positionen im Angebot – von der Fabrik bis ins Lager
Kosten in China
Wer zu EXW kauft, übernimmt die Ware am Werkstor. Das Angebot muss dann den Transport zum Hafen oder zum Konsolidierungslager, die Ausfuhrabfertigung und die Gebühren im Abgangshafen enthalten. Bei FOB trägt diese Kosten der Lieferant, und das Angebot beginnt mit der Seefracht. Vergleichen Sie ein EXW- mit einem FOB-Angebot, prüfen Sie, ob der Preisunterschied beim Lieferanten diese Kosten deckt.
Außerdem muss die Sendung noch vor der Verladung in China im EU-Sicherheitssystem ICS2 angemeldet werden (summarische Eingangsanmeldung, ENS). Manche Spediteure führen diese Gebühr als eigene Position.
Seefracht und Zuschläge
Die Seefracht ist der Preis der Reederei für den Transport von Hafen zu Hafen. Bei FCL zahlen Sie pro Container: 20′, 40′ oder 40′ HC. Bei LCL pro m³ oder pro Tonne, je nachdem, was mehr ergibt. Als Richtwert (September 2026): Ein 40′ HC von Shanghai oder Ningbo nach Gdańsk kostete 3.500–5.000 USD, Sammelgut 120–230 USD pro m³. Verbindlich ist unser Angebot für Ihre Sendung.
Auf die Rate schlagen die Reedereien Zuschläge auf: für Treibstoff (BAF), in der Hochsaison (PSS) und auf Europa-Routen auch einen Zuschlag für das EU-Emissionshandelssystem (ETS). Im einen Angebot stecken sie in der Rate, im anderen stehen sie extra. Rechnen Sie Fracht und Zuschläge zusammen, bevor Sie vergleichen.
Seefrachtraten ändern sich jede Woche. Prüfen Sie deshalb, bis wann das Angebot gilt. Meist zählt das Verladedatum, nicht das Datum, an dem das Angebot verschickt wurde.
Gebühren im Zielhafen
THC (Terminal Handling Charge) ist die Gebühr des Terminals für den Umschlag des Containers. Sie fällt im Abgangshafen und im Zielhafen an, etwa in Gdańsk oder Gdynia. Dazu kommen lokale Gebühren der Reederei oder ihres Agenten: für die Herausgabe der Dokumente und die Freistellung des Containers, bei Sammelgut außerdem für das Entladen und Aufteilen des Containers im Lager.
Hier liegt die größte Falle bei Sammelgut, das zu CIF gekauft wird. Der Lieferant zahlt die Seefracht bis Polen und kann deshalb einen niedrigen Preis zeigen, der Agent im Hafen berechnet die lokalen Gebühren aber nach eigener Preisliste. Es kommt vor, dass auf eine Seefracht von 500 USD eine Rechnung über 3.000–4.000 USD für Hafengebühren in Gdańsk folgt. Bei Vollcontainern passiert das seltener.
Dokumente
Das wichtigste Dokument ist das Konnossement (B/L). Gegen dieses Papier gibt die Reederei die Ware im Zielhafen heraus. Entweder muss das Original nach Polen kommen, oder der Lieferant veranlasst eine elektronische Freigabe (Telex Release). Beim Sea Waybill gibt es gar kein Original. Prüfen Sie, ob Ausstellung und Freigabe der Dokumente im Preis enthalten sind und was eine Korrektur kostet, wenn der Lieferant falsche Daten angibt. Mehr zu diesem Dokument: Seekonnossement (B/L).
Zollabfertigung, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer
Die Zollabfertigung übernimmt eine Zollagentur. Die Zollanmeldung selbst kostet in Polen meist ca. 50–60 USD. In unseren Angeboten ist die Abfertigung Teil von ALL-IN. Fehlt sie in einem anderen Angebot, gehört sie dort in der Regel nicht zum Umfang. Gratis ist sie damit nicht.
Zoll und Einfuhrumsatzsteuer sind eine eigene Rechnung. Der Zoll wird vom Zollwert berechnet, also vom Warenwert plus Transport- und Versicherungskosten bis zur EU-Grenze. Bemessungsgrundlage der Einfuhrumsatzsteuer sind Zollwert und Zoll plus die Transportkosten bis zum ersten Bestimmungsort im Einfuhrland. Mit einem vollständigen Transportangebot können Sie die gesamten Importkosten also vorab berechnen.
Wird der Container zur Zollbeschau ausgewählt, kommen der Transport zum Kontrollplatz und einige Tage Standzeit hinzu. Diese Kosten lassen sich im Angebot nicht vorhersehen, Sie sollten aber wissen, dass sie entstehen können. Details: Zollbeschau eines Containers.
Zustellung ins Lager
Der Vollcontainer kommt vom Hafen per Lkw direkt zu Ihrem Lager und geht nach dem Entladen leer zurück ins Depot. Fragen Sie, wie viel Entladezeit im Preis enthalten ist und was jede weitere Stunde Wartezeit kostet. Sammelgut holen Sie nach dem Aufteilen im Hafenlager ab oder lassen es zustellen. Ohne Rampe brauchen Sie ein Fahrzeug mit Hebebühne. Mehr zu dieser Strecke: Straßentransport FTL und LTL.
Transportversicherung
Ohne Police haftet die Reederei für Schäden nur bis zu den Höchstbeträgen internationaler Übereinkommen, die pro Kilogramm oder pro Packstück gelten. Bei leichter, teurer Ware ist das ein Bruchteil ihres Werts. Eine Versicherung CARGO ALL-RISK kostet meist einen zweistelligen USD-Betrag. Sie deckt auch die sogenannte große Havarie: Muss während der Seereise die gesamte Ladung gerettet werden, teilen sich alle Ladungseigentümer die Kosten. In unseren Angeboten ist die Versicherung eine eigene Position.
Kosten, die in der ALL-IN-Summe nicht auftauchen
Manche Kosten stehen in keinem Angebot, weil sie davon abhängen, was unterwegs passiert. Ein gutes Angebot verspricht nicht, dass sie ausbleiben. Es sagt aber klar, ab wann sie berechnet werden.
- Freie Tage (Free Time) – die Zeit, in der der Container im Hafen und bei Ihnen ohne Zusatzkosten stehen darf. Fragen Sie, wie viele Tage es sind und ab wann sie zählen.
- Demurrage – Gebühr der Reederei für einen vollen Container, der länger als die freien Tage am Terminal steht, etwa weil die Zollabfertigung auf Dokumente wartet.
- Detention – Gebühr für den Container außerhalb des Terminals: von der Ausfahrt aus dem Hafen bis zur Rückgabe des leeren Containers im Depot.
- Lagergeld (Storage) – eine eigene Gebühr des Terminals oder Lagers für die Standzeit der Ware. Bei Sammelgut steigt sie, wenn die Ware auf die Abfertigung wartet.
- Rollover – der Container wird auf eine spätere Abfahrt verschoben, weil die geplante überbucht ist. Galt die Rate bis zu einem bestimmten Verladedatum, kann sie sich danach ändern.
Mehr dazu lesen Sie in unseren Beiträgen über Demurrage und Detention und über den Rollover von Containern. Die meisten dieser Gebühren lassen sich vermeiden, wenn die Dokumente für die Zollabfertigung fertig sind, bevor der Container in Polen ankommt, und der Weitertransport ab Hafen rechtzeitig bestellt ist.
Zwei oder drei Angebote vergleichen
Bevor Sie auf die Summe schauen, gleichen Sie die Bedingungen an. Vergleichbar sind nur Angebote:
- mit derselben Incoterms-Klausel und denselben Abhol- und Lieferorten,
- in derselben Versandart: FCL mit FCL, LCL mit LCL,
- für dieselben Maße und dasselbe Gewicht, gemessen nach dem Verpacken und nicht laut Katalog,
- mit einem ähnlichen Verladedatum.
Danach gehen Sie Position für Position durch: Kosten in China, Seefracht mit Zuschlägen, THC in beiden Häfen, Dokumente, Zollabfertigung, Zustellung und Versicherung. Zum Schluss vergleichen Sie, was in der Summe nicht zu sehen ist: die Zahl der freien Tage, die Gültigkeit des Angebots und die Regeln bei einem Rollover. Lassen sich die Angebote dann immer noch schwer nebeneinanderlegen, bitten Sie jeden Spediteur um ein Angebot mit derselben Positionsliste.
Manchmal zeigt so ein Vergleich, dass sich eine andere Transportart lohnt. Bahnfracht aus China ist ca. 14–22 Tage Terminal–Terminal unterwegs und kostet meist ca. das 1,5-Fache der Seefracht – Details auf der Seite Schienentransport. Bei kleinen, eiligen Sendungen sollten Sie auch die Luftfracht prüfen. Schwanken Sie zwischen Vollcontainer und Sammelgut, lesen Sie FCL oder LCL – wann Vollcontainer, wann Sammelgut.
Welche Daten wir für das Angebot brauchen
Je genauer die Daten, desto kleiner der Unterschied zwischen Angebot und Rechnung. Halten Sie bereit:
- die Adresse des Lieferanten oder den Hafen in China und die Lieferadresse,
- eine Warenbeschreibung und die Zolltarifnummer (HS-Code), falls bekannt,
- die Zahl der Kartons oder Paletten, Maße und Gewicht nach dem Verpacken sowie das Gesamtvolumen in m³ (dabei hilft der CBM-Rechner),
- die Incoterms-Klausel aus dem Vertrag mit dem Lieferanten,
- das Datum, ab dem die Ware versandbereit ist,
- den gewünschten Umfang: Zollabfertigung, Zustellung, Versicherung,
- ob es sich um Gefahrgut handelt (z. B. Batterien, Chemikalien) oder ob die Ware eine konstante Temperatur braucht.
Häufige Fragen
Was bedeutet ALL-IN in einem Frachtangebot?
Die Summe der Transportkosten im vereinbarten Umfang, vom Abholort bis zum Lieferort. Den Umfang legt der Spediteur fest, deshalb sollten Sie immer die Positionsliste unter dem Betrag prüfen.
Sind Zoll und Einfuhrumsatzsteuer im ALL-IN-Preis enthalten?
Nein. Das sind Abgaben an den Staat, berechnet nach den Sätzen für die jeweilige Ware. Das Transportangebot hilft trotzdem bei der Berechnung, weil die Transportkosten in die Bemessungsgrundlage von Zoll und Einfuhrumsatzsteuer einfließen.
Ist THC immer im ALL-IN enthalten?
Nicht immer. THC fällt im Abgangs- und im Zielhafen an, und bei FOB zahlt der Lieferant die THC im Abgangshafen. Nennt das Angebot keine THC in Polen, fragen Sie direkt danach.
Worin unterscheiden sich Demurrage und Detention?
Demurrage ist die Gebühr für einen vollen Container, der nach Ablauf der freien Tage am Terminal steht. Detention ist die Gebühr für den Container außerhalb des Terminals, zum Beispiel bei Ihnen zum Entladen, bis er leer ins Depot zurückkommt.
Warum kann ein günstiges CIF-Angebot am Ende teurer werden?
Der Lieferant zahlt nur die Seefracht bis zum Hafen in Polen, die lokalen Gebühren berechnet der Agent im Hafen nach seiner eigenen Preisliste. Bei Sammelgut können sie ein Vielfaches der eigentlichen Seefracht betragen.
Wie lange gilt ein Seefracht-Angebot?
Meist bis zu einem bestimmten Verladedatum, weil sich die Raten der Reedereien jede Woche ändern. Prüfen Sie dieses Datum im Angebot, bevor Sie den Transport buchen.
ALL-IN-Angebot anfordern
Senden Sie uns die Details Ihrer Sendung – wir erstellen ein individuelles Angebot mit aufgeschlüsselten Positionen, Transitzeit und einer Liste dessen, was nicht im Preis enthalten ist. Zum Angebotsformular.






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