Seetransport

FCL oder LCL in der Seefracht: wann Vollcontainer, wann Sammelgut

Robert FischerRobert Fischer
Veröffentlicht: 17. Sept. 2026Lesezeit: 7 Min.

Auf der Strecke von China nach Polen lohnt sich ein Vollcontainer (FCL) meist ab ca. 15 m³ Ware. Bei kleineren Mengen ist Sammelgut (LCL) günstiger, dafür aber 5–10 Tage länger unterwegs. Bei 15–20 m³ rechnen wir im Angebot beide Varianten durch, denn dann entscheiden die Details: Gewicht, Verpackung, Termin und Häfen.

In diesem Beitrag erklären wir, worin sich beide Varianten unterscheiden, wie ihr Preis zustande kommt und wann welche passt. Eine allgemeine Beschreibung der Leistung finden Sie auf der Seite Seefracht FCL und LCL.

Was FCL von LCL unterscheidet

FCL (Full Container Load) ist ein Container, der nur für Sie gebucht ist. Meist belädt ihn der Lieferant direkt in seiner Fabrik, der Container wird verplombt und kommt in diesem Zustand in Polen an. Im Zielhafen wird er auf dem Containerstellplatz des Terminals (CY, Container Yard) übernommen und per Lkw zu Ihrem Lager gebracht.

LCL (Less than Container Load), also Sammelgut, ist ein Platz in einem Sammelcontainer. Die Ware geht zuerst in ein Konsolidierungslager im Hafen (CFS, Container Freight Station). Dort wird sie zusammen mit Sendungen anderer Firmen in einen Container geladen. Nach der Ankunft in Gdańsk oder Gdynia wird der Container im Lager entladen, und jede Sendung wird einzeln verzollt und ausgeliefert.

Daraus ergeben sich Unterschiede, die Sie in der Praxis merken:

  • Preis: Bei FCL zahlen Sie eine feste Rate pro Container, bei LCL pro m³ oder pro Tonne.
  • Zeit: Sammelgut ist meist 5–10 Tage länger unterwegs, weil die Konsolidierung in China und das Aufteilen in Polen dazukommen.
  • Umschlag: Bei FCL wird die Ware beim Beladen und Entladen bewegt, bei LCL zusätzlich in zwei Lagern.
  • Minimum: LCL beginnt bei ca. 1 m³, also ungefähr einer Palette. Bei FCL zahlen Sie den ganzen Container, egal wie viel darin steht.

Container 20′, 40′ und 40′ HC – wie viel wirklich hineinpasst

Einen Container kann man nicht auf den Kubikmeter genau füllen, zwischen den Kartons bleibt immer Luft. Neben dem Innenvolumen sollten Sie deshalb wissen, wie viel Ware realistisch hineinpasst:

  • 20′ – ca. 33 m³, realistisch ca. 25–28 m³ Ware. Gut für schwere Ladung wie Fliesen oder Metallteile, denn er ist über das Gewicht voll, bevor der Platz ausgeht.
  • 40′ – ca. 67 m³, realistisch ca. 55–58 m³.
  • 40′ HC (High Cube) – ca. 76 m³, realistisch ca. 65–68 m³. Er ist 30 cm höher als der normale 40′ und der gängigste Container aus China.

Bei schwerer Ware bestimmt das Gewicht, wie viel Sie laden können, nicht das Volumen. Die zulässige Zuladung prüfen wir bei der Kalkulation, denn sie hängt vom Container ab und vom Straßentransport in Polen.

Frachtberechnung bei FCL und LCL

Bei FCL zahlen Sie für den Container als Ganzes. Seefracht, Hafengebühren und Zustellung kosten gleich viel, ob der Container voll oder halb leer ist. Je besser Sie ihn füllen, desto weniger zahlen Sie pro m³.

Bei LCL zahlen Sie für den belegten Platz. Die Rate gilt pro m³ oder pro Tonne, je nachdem, was mehr ergibt – im See-Sammelgut entspricht 1 m³ einer Tonne. Zwei Beispiele:

  • 3 m³ Kartons mit 900 kg: Sie zahlen für 3 m³,
  • 2 m³ Metallteile mit 3.200 kg: Sie zahlen wie für 3,2 m³.

Zur Seefracht kommen die Gebühren der Konsolidierungslager in China und in Polen, meist ebenfalls pro m³ berechnet. Sie sind der Grund, warum sich Sammelgut bei größeren Mengen nicht mehr lohnt.

Frachtraten als Richtwerte (September 2026, netto, ohne Zoll und Einfuhrumsatzsteuer, Shanghai oder Ningbo → Gdańsk):

  • Container 40′ HC: 3.500–5.000 USD, am häufigsten 4.000–4.500 USD,
  • Container 20′: 2.000–3.000 USD,
  • Sammelgut LCL: 120–230 USD pro m³,
  • Hafengebühren und Zustellung eines Vollcontainers: zusätzlich 700–1.500 USD.

Die Raten ändern sich jede Woche, verbindlich ist unser Angebot für Ihre Ladung. Um zu prüfen, was sich lohnt, multiplizieren Sie die m³ mit der LCL-Rate und addieren die Lagergebühren auf beiden Seiten. Das Ergebnis vergleichen Sie mit der Summe für einen 20′ oder 40′ HC samt Hafengebühren und Zustellung. Bei ca. 15–20 m³ liegen beide Beträge meist nah beieinander. Dann entscheiden der Termin, das Gewicht oder die Frage, wie empfindlich die Ware ist.

CBM richtig berechnen

CBM ist der Kubikmeter. Davon hängen der Sammelgutpreis und die Wahl des Containers ab, ein Messfehler taucht also später auf der Rechnung wieder auf.

  • Messen Sie Karton oder Palette nach dem Verpacken: Länge × Breite × Höhe in Metern, mal Stückzahl.
  • Nehmen Sie die Maße aus der Packliste (Packing List) des Lieferanten, nicht aus dem Produktdatenblatt.
  • Prüfen Sie, ob die Ware stapelbar ist. Wenn nicht, brauchen die Paletten mehr Platz, als die Summe ihrer Volumina ergibt.
  • Planen Sie Reserve für ungleichmäßige Kartons und überstehende Teile ein.

Einen ersten Wert liefert der CBM-Rechner. Beim Sammelgut zählt am Ende die Messung im Konsolidierungslager. Ergibt sie mehr als angemeldet, steigt der Preis.

Wann sich ein Vollcontainer (FCL) lohnt

Ein Vollcontainer ist sinnvoll, wenn:

  • Sie ca. 15 m³ Ware oder mehr haben oder eine schwere Ladung, die einen 20′ über das Gewicht füllt,
  • die Ware empfindlich oder teuer ist und nicht in Lagern umgeschlagen werden soll,
  • der Termin zählt, denn FCL spart die Konsolidierung und ist schneller da als Sammelgut,
  • Sie regelmäßig importieren und Lieferungen in vollen Containern planen können,
  • Sie bei mehreren Lieferanten einkaufen – wir sammeln die Ware in einem Lager in China und verschicken sie gemeinsam in einem Container.

Ein Beispiel aus unserer Praxis: ein 40′ HC mit Artikeln für die Wohnungseinrichtung, gekauft zu FOB, auf der Route Ningbo → Gdańsk → Poznań. Von der Fabrik bis zum Lager des Kunden vergingen 42 Tage. Mehr dazu auf der Seite Seefracht.

Wann Sammelgut (LCL) die bessere Wahl ist

Sammelgut passt, wenn:

  • Sie weniger als ca. 15 m³ Ware haben, auch nur eine Palette,
  • Sie einen neuen Lieferanten oder ein neues Produkt testen und kein Geld in einer großen Partie binden wollen,
  • Sie Ihr Lager zwischen größeren Lieferungen auffüllen,
  • die Ware jetzt fertig ist und Sie auf einen vollen Container wochenlang warten müssten.

Achten Sie dann auf die Verpackung. Die Kartons sollten auf Paletten stehen, mit Folie umwickelt und auf jeder Seite beschriftet sein, denn die Sendung läuft durch zwei Lager und wird mehrmals umgeladen.

Sammelgut organisieren wir auch aus anderen Ländern. 2026 haben wir so Ware für einen Kunden aus Tschechien transportiert: Abholung beim Lieferanten in Indien (EXW), vom Hafen Mundra über Gdańsk nach Ostrava, insgesamt 45 Tage.

FCL, LCL und die Lieferbedingungen beim Einkauf

Beim Sammelgut sollten Sie mit einem Kauf zu CIF besonders vorsichtig sein. Der Lieferant zahlt die Seefracht bis Polen, die Gebühren im Zielhafen berechnet aber der Agent nach eigener Preisliste. Es kommt vor, dass auf eine Seefracht von 500 USD eine Rechnung über 3.000–4.000 USD für Hafengebühren in Gdańsk folgt. Beim ersten Import lohnt es sich, zu FOB oder EXW zu kaufen. Dann kennen Sie die gesamten Transportkosten vorab aus dem Angebot.

Wie Sie so ein Angebot lesen und mit anderen vergleichen, zeigen wir im Beitrag ALL-IN-Frachtangebot richtig lesen.

Oder lieber Bahnfracht?

Ist Ihnen Sammelgut aus China auf dem Seeweg zu langsam, vergleichen Sie es mit dem Schienentransport. Bahnfracht ist ca. 14–22 Tage Terminal–Terminal unterwegs und kostet meist ca. das 1,5-Fache der Seefracht. Auch hier wählen Sie zwischen Vollcontainer und Sammelgut: Vollcontainer gibt es ausschließlich als 40′ HC, Sammelgut versenden wir auch unter 1 m³, es kommt in Pruszków bei Warschau an. Details: Schienentransport.

Häufige Fragen

Ab wie vielen m³ lohnt sich ein Vollcontainer?

Meist ab ca. 15 m³ Ware. Bei 15–20 m³ rechnen wir im Angebot beide Varianten durch, weil das Ergebnis von Gewicht, Route und aktuellen Raten abhängt.

Wie viel länger ist Sammelgut unterwegs?

Meist 5–10 Tage länger als ein Vollcontainer, weil die Konsolidierung in China und das Aufteilen des Containers in Polen dazukommen. Die Seereise von China nach Gdańsk allein dauert ca. 35–45 Tage Hafen–Hafen.

Wie wird LCL-Seefracht berechnet?

Pro m³ oder pro Tonne, je nachdem, was mehr ergibt (1 m³ = 1 t). Zur Seefracht kommen die Gebühren der Konsolidierungslager in China und in Polen.

Kann ich eine einzelne Palette als Sammelgut verschicken?

Ja. See-Sammelgut beginnt bei ca. 1 m³, also ungefähr einer Palette.

Kann ein Vollcontainer direkt zu meinem Lager kommen?

Ja. Nach der Zollabfertigung bringt ein Lkw den Container zur angegebenen Adresse, nach dem Entladen geht er leer zurück ins Depot. Planen Sie Platz zum Entladen ein und dazu Personal oder einen Gabelstapler.

Was passiert, wenn bei LCL mehr m³ herauskommen als angemeldet?

Sie zahlen nach der Messung im Konsolidierungslager. Geben Sie deshalb für das Angebot die Maße nach dem Verpacken an, am besten aus der Packliste.

Fazit

Unter ca. 15 m³ ist Sammelgut meist die bessere Wahl, darüber der Vollcontainer. Bei Mengen im Grenzbereich entscheiden Gewicht, Termin und wie gut die Ware Umschlag verträgt. Senden Sie uns die Details Ihrer Sendung – wir erstellen ein individuelles Angebot für beide Varianten und empfehlen Ihnen die passende. Zum Angebotsformular.

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